Nürnberger Expertentipps: Petra Winzenhöller

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Ob aktuelle Fitness- und Ernährungstrends, Tipps für den Umgang mit schwierigen Situationen im Match oder Fragen zur optimalen Ausrüstung – die Experten des Deutschen Tennis Bundes stehen Rede und Antwort.

Diesmal gibt Fed Cup-Heilpraktikerin Petra Winzenhöller wertvolle Empfehlungen rund um richtige Ernährung im Sport

Frau Winzenhöller, Sie haben früher selbst Tennis gespielt, waren Deutsche Meisterin. Wie sehr hat sich im Sport der Stellenwert von Ernährung im Laufe der Jahre verändert?

Petra Winzenhöller: „Ich bin mit Eltern groß geworden, die sehr viel Wert auf Ernährung und Vollwertkost gelegt haben. Aber in der Gesellschaft und auch gerade im Tennissport war das damals überhaupt gar kein Thema. Vor dem Match gab es Pasta, Pasta und nochmal Pasta. Man hat sich nicht wirklich Gedanken gemacht. Heute ist es schon besser geworden, aber da ist noch Luft nach oben. Es gibt den einen oder anderen Sportler, der sich sehr intensiv damit beschäftigt. Die Williams-Schwestern hatten eine Zeit lang einen Koch dabei, gerade Venus achtet auf eine gesunde Ernährung und war auch phasenweise vegetarisch unterwegs. Novak Djokovic ernährt sich vegan, nur ganz selten isst er Fisch. Aber auch wenn er und inzwischen auch einige andere Spielerinnen und Spieler auf Gluten verzichten, steckt das ganze Thema Ernährung im Tennis nach wie vor in den Kinderschuhen. Wenn ich mich bei den Turnieren so umschaue, dann fehlt mir häufig der Frischeanteil in Form von Gemüse, Salat & Co. Davon ist für meinen Geschmack noch zu wenig auf den Tellern, obwohl die meisten Buffets in dieser Hinsicht wirklich sehr gut ausgestattet sind. Es ist also eher eine Frage des Interesses und auch des Wollens.“

Heute beraten Sie professionelle Sportler wie die deutschen Fed Cup Damen in Sachen Ernährung, aber auch ganz normale Verbraucher. Wie unterscheiden sich die Bedürfnisse?

Petra Winzenhöller: „Im Prinzip ist es das gleiche Portfolio, aus dem sich beide im Idealfall bedienen: Am meisten sollte man bei Gemüse, Obst, Salat, glutenfreiem Getreide und Süßkartoffeln zugreifen. Fleisch, Fisch und Geflügel nach persönlichem Geschmack, aber bitte in Maßen. Der Anteil an Milchprodukten sollte eher gering gehalten werden. Die Hauptnährstoffquellen sind die gleichen – die Menge macht den Unterschied aus. Leistungssportler verbrennen viel mehr Kalorien als der Ottonormalverbraucher. Diese müssen über den Tag verteilt zugeführt werden, damit es kein Energieproblem gibt.“

Welche Tipps können Sie Freizeitspielern zum Thema Essen und Trinken vor und nach den Matches geben?

Petra Winzenhöller: „Es ist wichtig, vor dem Wettkampf möglichst wenig Belastendes zu essen. Bis spätestens zwei bis drei Stunden vorher darf es noch etwas Kaubares sein wie Vollkornreis oder Nudeln, die ein Freizeitsportler an der Sportstätte natürlich eher antrifft als beispielsweise Quinoa. Zeitnah vor dem Spiel sollte nur noch Flüssignahrung aufgenommen werden. Ich bin eine sehr große Verfechterin der Smoothies und Shakes – und zwar der selbst gemachten Sorte. Das kann ein Beerensmoothie mit Mandeln sein oder gerne auch ein Grüner mit Spinat, Mangold oder Grünkohl. Nach der Belastung hat der Körper nicht die nötige Energie, um viel Verdauungsarbeit zu leisten. Man sollte daher auch hier Energie in flüssiger Form zuführen. Gerade in den ersten eineinhalb Stunden nach dem Match ist es für die Regeneration extrem wichtig, den Körper gut zu versorgen und den Glykogenspeicher aufzufüllen.“

Was sollte man während der Matches zu sich nehmen? Wie stehen Sie zu Energy Gels?

Petra Winzenhöller: „Aus therapeutischer Sicht ist die Nahrungszufuhr während der Matches generell eher belastend. Das Empfinden ist aber sehr individuell: Manche Athleten können während des Spiels gar nichts kauen, da ist schon eine Banane zu viel. Es spricht zwar grundsätzlich nichts gegen die Banane, aber in so einem Fall ist dann vielleicht das Energy Gel die bessere Lösung. Man sollte hier jedoch sorgfältig schauen, für welches man sich entscheidet. Sind die Inhaltsstoffe gut und enthalten sie wenige Zusätze, dann sind Gels auf jeden Fall gewinnbringend. Man kann im Training testen, was man verträgt und was man in einem intensiven Match ohne Beschwerden zu sich nehmen kann. Bauchschmerzen sind bei Sportlern immer ein Indikator dafür, dass das Produkt nicht das richtige ist. Erfahrungsgemäß sind Vitalyte Energy Drinks oder Vega Energy Gels sehr gut verträglich und auch von den Zusatzstoffen her in Ordnung – ebenso gut funktionieren Datteln.“

Man hört seit einiger Zeit immer mehr von zuvor wenig bekannten, sehr nährstoffreichen Lebensmitteln wie Quinoa, Chia, Acai oder Goji. Was ist Ihr ultimatives „Superfood“ und warum?

Petra Winzenhöller: „Ich schwöre immer auf alles, was grün ist! Super ist beispielsweise Moringa, ein Strauch, der extrem mineralstoffhaltig ist. Hier in unseren Breitengraden kann man sich sein eigenes Weizengras oder Gerstengras ziehen, das enthält viel Chlorophyll und Mineralstoffe. Potente ‚Superfoods‘ sind aber auch Beeren wie Acai oder die heimische Heidelbeere, ein gutes Antioxidans. Ebenfalls empfehlenswert ist die Aroniabeere, die es bei uns in den Reformhäusern in allen möglichen Varianten gibt und die sehr gut zur Regeneration ist.“

Ob Heidelbeeren oder Rote Bete. Es muss nicht immer exotisch sein. Welches in Deutschland angebaute Produkt wird Ihrer Meinung nach unterschätzt?

Petra Winzenhöller: „Grünkohl. Den verwende ich im Winter sehr gerne für meine Smoothies. Nicht jeden Tag, man sollte immer ein wenig durchwechseln. Aber generell ist Grünkohl ein wertvolles, heimisches ‚Superfood‘, weil er sehr chlorophyll- und mineralstoffhaltig ist. Ich kann jedem nur empfehlen, mehr grünes Gemüse und dunkle Beeren zu sich zu nehmen.“

Welche drei Faustregeln sollte man beachten, um sich im Alltag gesund zu ernähren?

Petra Winzenhöller: „Wenig Zucker und gar keinen raffinierten Zucker. Kein Weizen. Und auch keine oder zumindest nur wenig Milchprodukte.“

Petra Winzenhöller war früher Tennisprofi und erreichte in der Weltrangliste mit Platz 127 ihr bestes Ranking. 1994 gewann sie den Deutschen Meistertitel. Nach ihrer aktiven Karriere machte sie eine Ausbildung zur Heilpraktikerin. In ihrer Praxis in Neu-Isenburg (www.kraft-der-natur.eu) bietet Petra Winzenhöller Beratung und Coaching in den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Fitness. Seit 2008 betreut sie zudem das deutsche Fed Cup Team und individuell auch Topspielerin Andrea Petkovic.

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