Tennis in München – Finstere Mächte?

08.10.2014 – Von Uli Offenberg

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Die beabsichtigte Schließung der Tennis-Anlage im Tivoli wächst sich immer mehr zu einem handfesten Skandal aus, zumal jetzt auch bekannt wurde, dass die vom Betreiber Alexandros Chatzistamon erst kürzlich beantragte Errichtung einer Halle von der Stadt entschieden abgelehnt wurde, das Aufstellen von dreigeschossigen, sieben Millionen teuren Containern auf dem roten Sand aber nach wie vor geplant ist.

Obwohl eigentlich alles dagegen spricht: Eine einzigartige Sportanlage wird für die Münchner unwiderruflich verloren gehen, denn wer glaubt denn im ernst daran, dass nach einer über sechsjährigen Pause im Tivoli wieder Tennis gespielt werden wird? 28 Alternativen wurden der Stadt angeboten, keine einzige fand Akzeptanz.

Die Tennisplätze liegen im Landschaftsschutzgebiet der Isarauen, eine hoch komplizierte Änderung des Flächennutzungsplans müsste vorgenommen werden, wenn die Plätze unwiderruflich verloren gehen. Ein erster Anwohner hat bereits eine Rechtsanwaltskanzlei eingeschaltet, weil er sich in seinen Rechten beeinträchtigt sieht.

Jetzt hängt alles an der Regierung von Oberbayern, die als Schiedsrichter angerufen wurde. Doch die Uhr tickt, der Pächter, der viel Geld in die Anlage investiert hat, steht vor den Trümmern seiner beruflichen Existenz.

Angesichts dieser Entwicklung muss man sich wirklich fragen, welch` finstere Mächte hier am Werk sind. Wenn ich richtig informiert bin, dann läuft auch der Vertrag für die Anlage in der Hirschau aus, das Gelände soll renaturiert werden.

Für die Tennisplätze in der Dachauerstraße, in der Höhe des Olympiageländes, klein aber fein, haben die Stadtwerke ebenfalls den Daumen gesenkt. Demnächst sollen hier die Bagger anrücken. Mit dem Verlust der früher so beliebten Lärmer-Plätze in der Belgradstraße, jetzt heftig bebaut, haben wir uns ja schon vor längerer Zeit abgefunden.

Das ist eine Entwicklung, die uns Tennisspielern nicht gefallen kann. Sollte es um die Nutzung von Baulücken gehen, so gibt es die in unserer Stadt noch reichlich. Aber zugegeben: Nicht alle liegen nur einen Steinwurf entfernt vom Englischen Garten.

 

 

05.08.2014

Warum das Tivoli sterben muss – Von Ulrich Offenberg

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Vor einigen Wochen besuchte mich ein befreundetes Ehepaar aus China, aus Nanjing. Auf dem Weg zum chinesischen Turm im Englischen Garten zeigte ich ihnen die Tennisanlage im Tivoli. Die beiden, daheim geschlagen mit verpesteter Luft und korrupten Beamten, kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. So eine wunderbare Tennis-Anlage, meinten sie, dazu noch mitten in der Stadt mit rundherum soviel Grün, so etwas Schönes hätten sie noch nie in ihrem Leben gesehen.

Leider musste ich ihnen gestehen, dass es diese Idylle nicht mehr lange geben wird. Einem unerforschlichem Beschluss der Stadt zufolge werden im Herbst auf diesen geschichtsträchtigen Tennisplätzen Container aufgestellt, in denen die bedauernswerten Schüler des Wilhelmgymnasiums unterrichtet werden, weil die Schule dringend renoviert werden muss.

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Ganz gewiss hätte es noch andere Ausweichmöglichkeiten gegeben. Das ist ungefähr so, als ob im Landtag Räume für Asylsuchende frei gemacht werden oder im Deutsche Museum Luxusappartements für Superreiche eingerichtet werden. Auf jeden Fall ein Skandal erster Güte. Die Journalistenlegende Sigi Sommer spielte auf diesen Plätzen, Bild-Kolumnist Franz-Josef Wagner warf am Tivoli mit dem Schläger und bekam Platzverbot, was ihn aber nicht darin hinderte, weiterhin auf der Terrasse des Tivoli seinen Espresso zu schlürfen, Bunte-Reporter Paul Sahner kletterte über den Zaun, um trotz der großen Regenpfützen dort aufzuschlagen. Soll heißen: Der Tivoli ist eine Institution, an der genauso wenig gerüttelt werden darf wie am Wies`n-Anstich oder an der Füllung der Weißwurst.

Und der Chronist sieht es mit Grauen: Ist die erste, spontane Protestwelle verebbt, krallt sich erst der Nachtfrost auf dem Sand fest, stehen die Container, ist es bis zum Bebauungsrecht auf dem Tivoli nicht mehr weit. Die Geier kreisen schon. Das Gelände ist doch zu wertvoll, um es Leuten zu überlassen, die scheinbar sinnlos mit ihren Schlägern auf gelbe Bälle dreschen.

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(Photos: Armin Reindl)

Zur Anlage Tivoli

Die Anlage TIVOLI liegt im Lehel, direkt am Englischen Garten in der Oettingenstr. 74. 9 Sandplätze, gute Parkmöglichkeiten. Seit 2007 heißt die Tennis-Mietanlage Alexx Tennis am Tivoli. Platzbuchung täglich von 9 bis 20 Uhr unter Telefon: 089 – 29 78 65. http://www.alexx-tennis.de

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